Samstag, 06. August 2016

Leitvers

… und ihr Ort kennt sie nicht mehr.
Psalm 103,16

Geschichte

Das tote Dorf

Innerhalb von nur drei Wochen war das malerisch gelegene Dorf zu räumen. Alle 120 Familien mussten bei Verwandten Unterschlupf finden – kein leichtes Unterfangen im August 1946. Doch die britische Militärregierung wollte das Gebiet, in dem Wollseifen seit dem 12. Jahrhundert einsam gestanden hatte, als Truppenübungsplatz nutzen. Alle Häuser wurden in Brand geschossen.
Heute ist das Gebiet Teil des Nationalparks Eifel. An das ehemalige Dorf erinnern nur die Kirchenruine und einige Schautafeln. Als wir bei unserer Wanderung durch diesen Ort kamen, war ich sehr bewegt. Auf den Tafeln sieht man Bilder von spielenden Kindern und von Familien bei der Heuernte. Was muss es für diese Menschen bedeutet haben, die Heimat zu verlassen und zu wissen, dass ihr Dorf, wie sie es seit Generationen kannten, dem Erdboden gleichgemacht werden würde! Heute grasen dort Hochmoorschafe, und es gibt kaum noch jemanden, der vom Leben, Lieben und Arbeiten der Menschen, die hier jahrhundertelang gelebt haben, erzählen könnte.
Wie unbeständig ist das Leben doch!, musste ich denken. Wie kurz! Denn auch, wenn nachfolgende Generationen das Haus, in dem ich heute lebe, weiter bewohnen werden – wie lange wird man sich noch an mich erinnern? Unser Haus wurde 1954 erbaut, doch über das Leben seiner ersten Bewohner weiß ich gar nichts. Ich kann mich noch an meine Urgroßmutter erinnern, aber bereits die Generation davor verschwindet im Nebel der Geschichte. Mir wurde neu bewusst: Ein menschliches Leben ohne Ewigkeitsbezug, ohne Auferstehungshoffnung, ohne eine Dimension über das Irdische hinaus ist wie nichts. Ein Hauch. Sollten wir uns nicht dieser Tatsache stellen und viel mehr das »Leben nach dem Leben« im Blick haben?

Elisabeth Weise
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Frage
In welchen Momenten wird Ihnen die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens bewusst?
Tipp
Wer mit Gott in Verbindung steht, kann über dieses Leben hinaus denken!
Bibellese
Psalm 112

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