Mittwoch, 17. April 2002

Leitvers

Unser tägliches Brot gib uns heute.
Matthäus 6,11

Tägliches Brot?

Tägliches Brot?

Wer in unserer Wohlstandsgesellschaft betet eigentlich noch? Vielleicht in der Not oder wenn es keine Hoffnung mehr gibt. Aber wer bittet in unseren Breitengraden schon um Brot oder dankt gar dafür? Brot haben wir hier und heute nämlich in Hülle und Fülle. Das war aber nicht immer so. Gegen Ende des letzten Krieges und in den Hungerjahren danach habe ich oft genug stundenlang anstehen müssen für ein kleines Brot, welches dann in der großen Familie schnittenweise zugeteilt wurde. Beim Zubettgehen war das Magenknurren oft stärker als die Müdigkeit. Da drängte sich am nächsten Morgen und alle Tage wieder neu die Bitte um Brot von selbst auf die Lippen.
Diese vierte Bitte im »Vaterunser« begleitete die Menschen damals von früh bis spät und umfasste auch Kleidung, Heizung sowie jeden Lebensbedarf. Genau so hatte es Jesus auch gemeint. Er wollte vor allem eins damit sagen: Nicht über die tägliche Not verzweifeln, sondern sie Gott klagen. Wer das tut, empfängt zweierlei Kraft: Er kann dann alle Nöte und Schwierigkeiten aushalten und erhält neuen Mut, um diese zu beseitigen. Und dieser Lebensmut hat mit unserer Beziehung zu Gott zu tun, weil man die Bitte nicht an irgendwelche Menschen oder Institutionen richtet, sondern direkt an den Schöpfer und Geber aller Gaben.
Leider ist das Bitten und Danken für’s tägliche Brot im Wohlstand längst aus der Mode gekommen wie das Pausenbrot in den Schulen. Statt mit Brot stopft sich die Jugend voll mit Mars, Snickers, Milky Way oder anderen, täglich neuen Verführungen. »Not lehrt beten«, heißt es, aber Übersättigung macht dick, träge und undankbar.

Karl-Heinz Gries


Frage
Wofür können Sie heute an diesem Tag dankbar sein?
Tipp
Mit Dankbarkeit für’s tägliche Brot ehrt man den Geber aller guten Gaben.
Bibellese
Matthäus 6,5-15

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