Donnerstag, 17. November 2022 (Welttag der Philosophie)

Leitvers

Du aber, Herr, Gott, bist barmherzig und gnädig, geduldig und von großer Güte und Treue.
Psalm 86,15

Gott

Barmherzigkeit

Für Platon (ca. 400 v. Chr.) war Barmherzigkeit eine menschliche Schwäche. In der stoischen Philosophie galt sie als Seelenkrankheit, die die inne Ruhe stört. Der Philosoph Zenon (um 300 v. Chr.) war überzeugt, dass sich weise Menschen niemals vom Mitleid für Schwächere bewegen lassen sollten. Dies sei eine Eigenschaft oberflächlicher, törichter Leute. Vernunft und Gerechtigkeit seien die erstrebenswerten Maximen, nicht Mitgefühl. Wie hartherzig und gefühlskalt müssen die griechischen Philosophen gewesen sein!

Das im hebräischen Alten Testament verwendete Wort für Barmherzigkeit ist »racham«. Das heißt wörtlich übersetzt »Gebärmutter« oder »Mutterschoß«. Eine vortreffliche Umschreibung, wie ich meine, denn die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind ist bedingungslos. Sie verzeiht, umsorgt und gibt Geborgenheit. Diese Art von Liebe ist der Maßstab, der von Gott sogar noch übertroffen wird: »Kann eine Mutter etwa ihren Säugling vergessen? Fühlt sie etwa nicht mit dem Kind, das sie geboren hat? Selbst wenn sie es vergessen würde, vergesse ich dich nicht!« (Jesaja 49,15; NLB). Barmherzigkeit und Erbarmen sind ein Ausdruck von Liebe. Als Beispiel dafür erzählt Jesus die Geschichte vom barmherzigen Samariter (Lukas 10,25-37). Sie handelt von einem Ausländer, der selbstlos einem Menschen hilft, der von Räubern ausgeplündert und halb tot liegen gelassen wurde. Hoch angesehene Fromme hingegen gingen achtlos an dem Notleidenden vorüber, um ihre »Seelenruhe« nicht zu stören.

Wie froh können wir sein, dass Gott barmherzig ist! Er hatte Mitleid mit uns, so wie der barmherzige Samariter mit dem Mann, der hilflos am Boden lag. Gottes Barmherzigkeit uns gegenüber sollte der Motor sein, unseren Mitmenschen genauso zu begegnen.

Daniela Bernhard
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Frage
Wo haben Sie Gottes Barmherzigkeit schon erfahren?
Tipp
Wie gut, dass Gott kein griechischer Philosoph ist!
Bibellese
Matthäus 9,27-37

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