
Euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit und Heil unter ihren Flügeln. Und ihr sollt herausgehen und springen wie die Mastkälber.
Maleachi 3,20

Mastkälber hatten in der Antike kein beneidenswertes Schicksal. Der Milchertrag der Rinder jener Zeit war nicht sehr hoch. Um den Ertrag zu maximieren, wurden die Kälber möglichst lange bei den Muttertieren gehalten. Doch ihre eigentliche Bestimmung bestand darin, dass sie durch die Mast ein möglichst hohes Schlachtgewicht erreichten. Sie wurden also in Gefangenschaft gehalten und gingen dem sicheren Tod entgegen.
Der Tagesvers spricht nun davon, dass solche Kälbern herausgehen, also freigelassen werden sollen. Die (naheliegende) Reaktion dieser Tiere: unbändige Freude. Ausgelassen sollten sie herumspringen! Allerdings gilt der Text nicht den Tieren, sondern in bildlicher Sprache den Menschen. Er spricht eine Lebenssituation an, die für viele oft sehr real ist: gefangen in den Sorgen und der Begrenztheit des eigenen Lebens. Sachzwänge, die unser Leben bestimmen und nicht selten das tiefe Empfinden der eigenen Ohnmacht auslösen. All das umgibt uns wie ein Gatter, durch dessen Streben wir sehnsüchtig in die Freiheit blicken.
Der Prophet Maleachi macht mit dieser Aussage jedoch deutlich: Diese Lebenssituation ist kein unausweichliches Schicksal. Wer den Namen Gottes fürchtet, wer ihm die Treue hält, dem »soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit und Heil unter ihren Flügeln«. Pastor Wilhelm Busch fasste dies so zusammen: »Den Leuten, die Gott ernst nehmen, soll etwas widerfahren, was ihr Leben dem Alltag entreißt und sie in überschwänglicher Weise beschenkt und fröhlich macht. Christenstand ist nicht eine kleine religiöse Verbrämung des Alltags, ist nicht ein dünner Trost für solche, die sonst nichts haben. Christenstand ist vielmehr unbändige Freude, neue Existenz, Leben in Kraft!«


