Donnerstag, 27. September 2001

Leitvers

Wenn wir aber Nahrung und Kleidung haben,
so wollen wir uns daran genügen lassen.

1. Timotheus 6,8

Unser tägliches Brot …

Unser tägliches Brot …

   In den Hungerjahren nach dem Zweiten Weltkrieg zwischen 1945 und 1948 stand ich als kleiner Junge oft geduldig stundenlang in Warteschlangen vor den Geschäften, um irgendetwas Essbares zu ergattern. Oft war kurz vor mir alles ausverkauft und ich musste mit leeren Taschen nach Hause gehen, wo mich Mutter und zwei jüngere Geschwister hungrig erwarteten. Nicht einmal die uns zugesicherten Grundnahrungsmittel konnte man bekommen. Und die Schulspeisung bestand meistens nur aus dünnen Suppen. Mit Mutter, Tanten und anderen Verwandten fuhr ich über Land, um bei den Bauern Kartoffeln, Brot, Speck, Eier, Wurst oder sonst etwas Essbares zu erbetteln. Wir zogen von Dorf zu Dorf und von Hof zu Hof. Manche Großbauern hielten uns durch riesige Hunde fern, die an einer langen Laufleine den ganzen Hof beherrschten. Später gaben sie Essbares nur im Tausch ab. Alles, was wir zu Hause nicht brauchten, nahmen sie: Kleidung, Schmuck, Hausrat. Immer mehr verlangten sie, gaben dafür aber immer weniger. Wenn die Müdigkeit größer als das Magenknurren war, schliefen wir in Viehställen oder im Freien.
Und das ist mir auch noch in Erinnerung geblieben: Mutter an der ratternden Nähmaschine beim Flicken von alten Klamotten oder wenn sie deren Inneres nach außen »wendete«. Bis zum Winter ging ich barfuß zur Schule und nach dem ersten Schnee in Mutters alten Pumps. Schulhefte gab es nur mit Beziehungen und meine Hausaufgaben machte ich auf alten Papiertüten vom Kaufmann. Dennoch hatten wir damals Freude am Leben und lachten auch oft und gerne. Im Gegensatz zu heute, wo wir sozusagen im Überfluss leben.

Karl-Heinz Gries


Frage
Haben wir Lebensfreude gegen Konsumfülle ausgetauscht?
Tipp
Dankbarer werden!
Bibellese
Lukas 13,31-35

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