Samstag, 01. Januar 2022 (Neujahr)

Leitvers

Glückselig sind die geistlich Armen, denn ihrer ist das Reich der Himmel!
Matthäus 5,3

Zeitzeichen

Ein Kaiser erklärt, kein Gott mehr zu sein

Im Zuge der Kriegsniederlage Japans geschah auf religiöser Ebene etwas Ungeheuerliches: Der 124. »Tenno« (»himmlischer Herrscher«) Hirohito legte am 1. Januar 1946 seinen Status als Gott ab. Die Aufgabe des göttlichen Selbstanspruchs war jedoch kein Akt von demütiger Selbsterkenntnis, sondern geschah auf Drängen der Siegermacht USA. Diese betrachteten den Glauben an einen gottgleichen Kaiser in Verbindung mit einem politisch-überhöhten Selbstbewusstsein als Gefahr für den Frieden und die Demokratisierung Japans.

Traditionell stammten die »Tennos« angeblich in ununterbrochener Reihe von einer Sonnengöttin ab und waren als Himmelssöhne zur Herrschaft über das Götterland Japan bestimmt. In der Nachkriegsverfassung 1947 wurde den Kaisern jedoch lediglich nur noch eine symbolisch-repräsentative Rolle zugestanden, in etwa vergleichbar mit der Funktion der englischen Queen oder des deutschen Bundespräsidenten - eine klare Herabwürdigung.

Auch wenn sich wohl keiner von uns für einen Gott hält, so leben wir oft so, als hätten wir die Kontrolle: Wir begreifen uns als Herren unseres Lebens, alle Entscheidungen treffen wir und möglichst viele Mitmenschen sollen sich nach uns richten. Wir denken, uns stehen aufgrund unserer Abstammung, unserer Intelligenz oder unserer Leistungen bestimmte Rechte oder die Ehre und Anerkennung anderer zu. Wenn dann doch ein siegreicher Konkurrent über uns steht, fühlen wir uns in unserer Selbstwahrnehmung gedemütigt. Aus dieser »Götterfalle« führt die Erkenntnis, dass noch jemand viel Größeres über uns allen steht. Als Geschöpf Gottes brauche ich mich nicht größer zu machen, als ich bin. Denn in seinem Reich erhalten die Demütigen und Fehlerbewussten die besten Plätze.

Sebastian Lüling


Frage
Wie wollen Sie das neue Jahr beginnen? Als Ihr eigener Herr oder in Demut vor Gott?
Tipp
Demut beginnt oft mit dem Eingeständnis eigener Schuld. Ein ehrliches Gebet kann zu einem Umdenken führen.
Bibellese
Lukas 14,7-11

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