Freitag, 14. September 2018

Leitvers
Und der nahm ihn und brachte ihn hinein zu seiner Mutter. Und er saß auf ihrem Schoß bis zum Mittag, da starb er. […] So lauf ihr nun entgegen und frage sie, ob es ihr, ihrem Mann und ihrem Sohn gut gehe. Sie sprach: Gut!

2. Könige 4,20.26

Unausgesprochen

Unausgesprochen

Auf dem kurzen Weg zum Naturwissenschaftsraum fragte sie oft, wie es ihm geht. Diese Lehrerin konnte irgendwie tiefer sehen. Ihr Blick war eindringlich; freundlich und ernsthaft zugleich. Sie musste es wohl aus seinen Augen gelesen haben, denn er konnte ihr unmöglich sagen, dass bei ihm zu Hause täglich die Welt unterging. Also redete er nicht viel, aber sie schien als einzige Erwachsene trotzdem zu verstehen. Das tat so gut.
»Wie geht es dir?« – Nicht jeder antwortet auf diese Frage ehrlich. Jeden Tag begegnen wir Menschen, deren Nöte wir nicht im Entferntesten erahnen. Sie mögen ihre Gründe dafür haben, sich nicht mitzuteilen. Vielleicht haben sie Angst davor, das auszusprechen, was sie Tag für Tag quält. Oder sie wissen nicht, wem sie sich anvertrauen sollen. Dieses Gefühl der Einsamkeit beschrieb David in Psalm 142 so: »Ich habe ja niemanden, der etwas von mir wissen will. Verloren gegangen ist mir jede Zuflucht, niemand fragt nach meiner Seele.« Wie kostbar und wohltuend ist es dann, jemandem zu begegnen, der echtes Interesse zeigt.
Und wenn sich eine solche Person nicht findet? Diese Erfahrung musste der Psalmschreiber machen. In seiner Not wendete er sich an Gott: »Zu dir habe ich um Hilfe geschrien, HERR!« Und Gott hilft. Er kennt unseren verborgenen Kummer und kann auch die Einsamkeit wenden. David fand Trost in der Gemeinschaft mit Gott selbst. So konnte er voller Zuversicht schreiben: »Ich habe gesagt: Du bist meine Zuflucht, mein Teil im Land der Lebendigen.« Eine Ermutigung für alle, die Ähnliches erleben.

Sabrina Nagel


Frage
Wann haben Sie zuletzt jemandem die Frage gestellt: »Wie geht es dir«?
Tipp
Nur einem einfühlsamen und verschwiegenen Menschen vertraut man sich gerne an.
Bibellese
Jesaja 49,13-16

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