
Das Wort des HERRN ist kein leeres Wort, es ist euer Leben!
5. Mose 32,47

Vielleicht kennen Sie den obigen Titel noch aus der Schule. 1882 schrieb Conrad F. Meyer diese Ballade, die die Geschichte der Hugenotten aufgreift - französischer Protestanten, die im 16. und 17. Jahrhundert wegen ihres Glaubens brutal verfolgt, gefoltert und abgeschlachtet wurden (googeln Sie mal »Bartholomäusnacht 1572«). Achtung, Spoiler: In der Ballade vergibt ein Hugenotte dem Folterer und Mörder seiner Ehefrau, der auch seine Kinder für immer traumatisiert hat. Er bekommt die perfekte Gelegenheit zur Vergeltung auf dem Silbertablett serviert, lässt sie jedoch ungenutzt.
Diese Ballade hinterlässt nach jeder Lektüre einen heftigen Eindruck auf mich. Denn ich weiß: Obwohl sie kein Tatsachenbericht ist, spiegelt sie die Geschichte der Hugenotten realitätsgetreu wider. Dann muss ich an historisch verbürgte Schicksale denken, z. B. an Marie Durand. Sie wurde im Alter von 19 Jahren, gerade seit drei Wochen verheiratet, in den Wehrturm Tour de Constance eingesperrt. Das frisch getraute Ehepaar sollte sich nie wiedersehen, denn Durand wurde erst nach 38 Jahren Haft im Alter von 56 Jahren entlassen. Acht Jahre später starb sie.
Ihr Leben - das man kaum als solches bezeichnen kann - ist herzzerreißend. Der Tod wäre dieser elend langen Qual sicher vorzuziehen gewesen! Zugleich hätte sie ihr Leid jederzeit beenden können: durch Widerruf ihres evangelischen Glaubens. Eine der maßgeblich »problematischen« Überzeugungen war die Haltung, dass nur die Bibel Autorität habe, nicht die kirchliche Tradition oder Dekrete des Königs.
Tausende Hugenotten waren bereit, für diesen Standpunkt ihr Leben aufzugeben. An die Bibel zu glauben und ihre Lehren umzusetzen - wie auch der namenlose Witwer in Meyers Ballade -, ließen sie sich etwas kosten.

Können Sie diese unverwüstbare Loyalität zur Bibel nachvollziehen?

Nur wer sich unbefangen auf die Bibel einlässt, wird erahnen können, warum Menschen bis heute für sie zu sterben bereit sind.
