
Ehre ist es dem Mann, vom Streit abzulassen, jeder Narr aber fängt Streit an.
Sprüche 20,3

Nach einer Auseinandersetzung im preußischen Landtag kam es am 25. März 1852 zwischen dem liberalen Georg von Vincke und dem konservativen Otto von Bismarck zu einem Pistolenduell, bei dem beide Kontrahenten jedoch unverletzt bleiben. Beide Duellanten entstammten derselben gesellschaftlichen Schicht und waren einander gut bekannt. In den politischen Auseinandersetzungen ihrer Zeit nahmen sie gegensätzliche Standpunkte ein, die sie verfeindeten. Als es dabei zu Ehrverletzungen kam, versuchte man, im Duell die Reputation und damit auch die politische Laufbahn zu retten. Das Risiko bestand allerdings darin, dabei sein Leben zu verlieren. Aus religiös-moralischer Sicht (siehe das Gebot »Du sollst nicht töten«) und auch juristisch gesehen waren solche Duelle daher problematisch und in Preußen sogar ein Straftatbestand.
Warum spielt bei uns Menschen Ehre eine so große Rolle? Es liegt wohl begründet in dem Bewusstsein vom »Adel des Menschen«, von seiner Würde und seinem Wert - im Sinne von Einzigartigkeit. Diese Würde ist heute nicht auf höhere Klassen beschränkt, jeder beansprucht sie, und sie wird auch jedem vom Grundgesetz her zugesprochen. Verletzungen dieser Würde werden gerichtlich geregelt; nur in extremen Fällen kommt es noch zu Gewalt oder gar Sühnemorden.
Der wahre Adel des Menschen besteht laut der Bibel in seiner Ebenbildlichkeit zu Gott. Doch diese berechtigt ihn nicht zu Ehrverletzungen, sondern verpflichtet ihn zur Nächstenliebe und dem Grundsatz, Gleiches nicht mit Gleichem zu vergelten, sondern die »Rache« (also den Rechtsspruch) Gott zu überlassen. Folgt man diesem Prinzip, dann kann man viel aushalten, um Streit oder Schlimmeres zu vermeiden. Sogar Gott zögert sein Gericht hinaus, damit wir genug Zeit haben, zu ihm umzukehren.

Wie gehen Sie mit Verletzungen und Kränkungen um?

Streit schadet allen Beteiligten, selbst wenn einer von beiden der Unterlegene ist.
