Dienstag, 25. Oktober 2022

Leitvers

Damit werden wir unsere Herzen vor ihm stillen, dass, wenn unser Herz uns verurteilt, Gott größer ist als unser Herz und alles weiß.
1. Johannes 3,19-20

Christsein

Leben mit dem Defizit

Im Leben gibt es viele Spannungsfelder. Eines davon ist: Wie ich sein sollte und wie ich tatsächlich bin. In meinem Bemühen, ein guter Mensch oder ein guter Christ zu sein, erlebte ich oft, dass ich sehr von mir selbst enttäuscht war. Z. B. wenn ich nicht so handelte, wie ich es gern getan hätte. Ich klagte mich selbst an: Ich hätte freundlicher reagieren sollen. Ich müsste geduldiger sein, wenn ich von meinen Kindern genervt bin. Ich hätte meinem Nachbarn meine Hilfe anbieten sollen ... Solche und auch schwerere Versäumnisse führen leicht dazu, dass wir ein schlechtes Gewissen haben und uns selbst verurteilen. Wir fühlen uns dann schlecht oder verachten uns sogar selbst. Wenn wir mit Gott leben, meinen wir evtl. noch, dass Gott genauso über uns denkt wie wir, und dass er uns verurteilt.

Im Tagesvers wird deutlich, dass unser Herz es ist, das uns verurteilt, also wir und nicht Gott. Ja, es wäre gut gewesen, richtig zu handeln und das Gute zu tun. Aber hilft es, wenn wir versagen, sich selbst zu martern und schlecht über sich zu denken? Oder zu meinen, Gott sei sauer auf mich? Es heißt dort, dass Gott alles weiß. Das bedeutet, er kennt meine Schwächen und mein Versagen. Und er sieht meinen Wunsch und mein Sehnen, es richtig zu machen. Er ist nicht überrascht, wenn ich versage. Und es heißt: Gott ist größer als mein eigenes Herz. Das heißt, er geht nicht kleinlich mit mir um. Er weiß, dass ich nicht alles richtig machen werde. Kommen wir zu ihm, handelt er in Liebe und Gnade mit uns.

Dieses Wissen bringt mich einerseits immer wieder zur Ruhe: Gott kennt mich, ich muss mich nicht verurteilen. Aber es setzt mich auch in Bewegung, weiter dem Guten nachzustreben. Und es hilft mir, mit dieser Spannung zu leben.

Manfred Herbst


Frage
Bei welchen Gelegenheiten verurteilen Sie sich selbst?
Tipp
Mit unserem Defizit können wir bei Gott zur Ruhe kommen.
Bibellese
1. Korinther 4,1-5

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