Montag, 26. April 2010

Leitvers

Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder.
Markus 2,17

Keiner ist zu schlecht

Keiner ist zu schlecht

Vor mir liegt ein Bild aus der Zeitung. Es zeigt einen gealterten Mann. Sein stumpfer, leicht wirrer Blick hat etwas abgründig Drohendes. Schlaffe Tränensäcke, ein vernachlässigter Schnauzer und ebensolche Brauen über wässrig eisblauen Augen verstärken den Gesamteindruck. Der Text unter dem Foto lautet: »Ein Blick, der einem das Blut in den Adern gefrieren lässt: Inzest-Monster Josef Fritzl.«
Der Mann hatte 24 Jahre lang seine Tochter im Keller seines Hauses gefangen gehalten und missbraucht. Jedem mit unverbogenem Rechtsempfinden war klar: So einer gehört eingelocht, möglichst für immer. Dieser Meinung war auch das Gericht und verhängte lebenslange Haft. - Klar, solch ein Verbrechen muss angemessen bestraft, dafür muss »gebüßt« werden. Selbst der Verurteilte zeigte Einsicht, als er sagte: »Ich habe es verdient, im Gefängnis zu sterben.« Und doch, Josef Fritzl ist, auch wenn er sich wie ein »Monster« aufgeführt hat, - ein Mensch. Ein Mensch, den der Retter Jesus Christus meint, wenn er sagt: »Der Sohn des Menschen ist gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist« (Lukas 19,10 und Tagesvers).
Der Sohn Gottes ekelt sich vor keinem; er schreibt niemanden ab, vielmehr ist, »wo das Maß der Sünde voll geworden ist, die Gnade überreich geworden« (Römer 5,20). Ja, so ist es: Der Heiland und der Sünder; der Heilige, Reine und der Heruntergekommene, Gescheiterte und Verachtete müssen sich begegnen. Wie gut, dass es für Gott keine hoffnungslosen Fälle gibt. Deshalb dürfen wir auch und gerade für solche Menschen im Gebet vor Gott eintreten, die wie Josef Fritzl »am Ende« sind und aus menschlicher Sicht nichts mehr zu hoffen haben.

Johann Fay


Frage
Aber wir sind doch in Ordnung, oder?
Tipp
Klar doch, wenn man nicht zu denen in Römer 3,10-12 zählt.
Bibellese
Römer 3,10-19

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