Dienstag, 01. März 2005

Leitvers

Habt ihr nicht gelesen, was zu euch geredet ist von Gott,
der da spricht ...?

Matthäus 22,31

Dem Volk aufs Maul geschaut

Dem Volk aufs Maul geschaut

»Man muss nicht die Buchstaben der lateinischen Sprache fragen, wie man soll deutsch reden, sondern man muss die Mutter im Hause, Kinder auf der Gasse, den Mann auf dem Markt drum fragen und denselbigen aufs Maul sehen, wie sie reden, und danach übersetzen, so verstehen sie es denn und merken, dass man deutsch mit ihnen redet«, schrieb Luther Anno 1530 in einem Sendbrief. Die neuhochdeutsche Sprache seiner Bibel hat Luther zwar nicht »erfunden«, doch seine Bibelübersetzung wurde mit Recht als »größtes Geschenk an die Deutschen« gerühmt. Denn neben der Prägung des Protestantismus und seiner Frömmigkeit, hat sie Sprache und Literatur nachhaltig beeinflusst und hinterließ im Sprachschatz zahlreiche Spuren. Selbst die Dichtung ist voller biblischer Zitate, denn sowohl der junge Goethe wie noch im letzten Jahrhundert Bert Brecht, schulten ihre Sprache an der Bibel, die bis Ende des 19. Jahrhunderts im Volk lebendig blieb.
Obwohl Luther auch so manche sprichwörtliche oder volkstümliche Redensart verwendete, hat er dem Volk nicht »nach dem Maul« geredet. Damit war er in Übereinstimmung mit dem Geist der Bibel, deren Zweck es ist, uns Gott nahe zu bringen, die aber andererseits schonungslos das Dilemma des Menschen aufzeigt und – den einzigen Weg, der da herausführt. »Sola fide«: allein durch Glauben an das stellvertretende Opfer Jesu Christi für unsere Sünden erlangt der Mensch Gerechtigkeit, die vor Gott gültig ist, und eben nicht durch seine eigenen guten Taten, wie einst Luther ebenfalls erkannte und vor den Mächtigen seiner Zeit mutig bezeugt hat. Damit hat er nicht nur der deutschen Sprache, sondern auch dem Glauben neu den Weg gebahnt.

Karl-Heinz Gries


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Lukas 11,37-54

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