
Um deines Namens willen, HERR, vergib mir meine Schuld, denn sie ist groß.
Psalm 25,11

Auf der Autobahn: Rechts ist eigentlich frei, dennoch fährt links jemand mit geringer Geschwindigkeit. Hinter ihm kommt ein Fahrer mit hoher Geschwindigkeit. Er fährt dicht auf, blinkt links, betätigt die Lichthupe und gestikuliert. Der Langsamere nimmt die Herausforderung an, wird noch langsamer und beharrt auf seiner Spur. Als der Drängler schließlich rechts überholt, zeigt ihm der Langsamere eine beleidigende Geste - eine Straftat. Der Drängler revanchiert sich umgehend - auch (mindestens) eine Straftat.
Das Verhalten des jeweils anderen mag die eigene Reaktion vielleicht (!) etwas verständlicher erscheinen lassen, entschuldigt sie aber nicht. Beide Fahrer hätten sich auch richtig verhalten können, also dem Rechtsfahrgebot folgen oder das Abstandsgebot beachten und den anderen nicht beleidigen. Keiner kann die Schuld auf den anderen oder auf die Umstände schieben. Beide tragen die Verantwortung für ihr jeweiliges Fehlverhalten.
Wie in diesem Alltagsbeispiel ist es auch in größeren Zusammenhängen. Die allermeisten Missstände unserer Zeit beruhen auf dem Fehlverhalten von Menschen: Kriege werden von Menschen angefangen. Menschen unterdrücken Menschen, um ihre egoistischen Ziele zu erreichen. Die Umwelt wird von Menschen ausgebeutet, was an vielen Stellen der Erde zu Dürre, Hungersnot und Flüchtlingselend führt.
Aber wir alle sind Großmeister darin, die Schuld auf andere, auf die Umstände oder gar auf Gott zu schieben. »Wie kann Gott das zulassen?!« Dabei sind Menschen die Täter. Wir müssen lernen, unsere Schuld zu erkennen. Dann haben wir allerdings ein Dilemma: Wohin dann mit meiner Schuld? Gott sei Dank will Gott unsere Schuld vergeben, wenn wir bereit sind, sie ihm zu bekennen.


