
Der Glaube ist nicht jedermanns Sache.
2. Thessalonicher 3,2

Hugo von Hofmannsthal schuf mit seinem 1911 uraufgeführten Drama Jedermann einen Klassiker. Der größte Stellenwert kommt dem Werk im Rahmen der jährlich stattfindenden Salzburger Festspiele zu; es ist der Höhepunkt der Veranstaltung. Letztes Jahr reichten die Ticketpreise von 288 bis 422 Euro. Wie kann es sein, dass Menschen so viel Geld für eine Theateraufführung ausgeben?
In den nächsten Tagen möchte ich Sie in dieses Stück Weltliteratur hineinnehmen. Als Hofmannsthal daran arbeitete, sah er um sich herum ein Maximum an Genusssucht und Verschwendung. Konnte das der Weg sein, das Beste aus dem Leben herauszuholen? In seinem Stück geht er dieser Frage auf den Grund. Er erzählt die Geschichte des reichen »Jedermann«. Komischer Name für die Hauptfigur? Mit voller Absicht! Alle Charaktere in dem Stück tragen keine konkreten Namen, sondern sind Platzhalter. So heißt Jedermanns bester Freund »Guter Gesell«, seine Geliebte »Buhlschaft«. Jedermann: Das sind Sie und ich, jeder Mensch. Und jeder hat einen geliebten Menschen, einen guten Freund usw.
Jedermann, der Archetyp des Menschen, ist - wie es auch der Tagesvers auf den Punkt bringt - kein wirklich gläubiger Mann. Er wird zu Beginn des Werkes als Geschäftsmann und Genießer vorgestellt, der sich wenig um andere schert. So speist er z. B. einen obdachlos gewordenen Nachbarn mit einer lächerlichen Spende ab. Seine nervige alte Mutter, die ihn ermahnt, Gott in seinem Leben nicht auszuklammern, wimmelt er routiniert ab.
Jedermann ist - wie wir alle, wenn vielleicht auch weniger ausgeprägt - ein Egoist. Das hält uns den Spiegel vor Augen und fragt uns, wonach wir unsere Lebensweise ausrichten. Denn wie bei Jedermann kann sich durch ein Ereignis das Blatt des Lebens wenden …

Was holen Sie aus Ihrem Leben heraus - und über welche Leichen gehen Sie dafür?

Jesus hat uns eine Haltung vorgelebt, die nicht auf den eigenen Vorteil bedacht ist, sondern auf den des anderen.
